Kein Kurswechsel bei der EFSA

München/Parma, 25. Juni 2012. Die Neubesetzung des Gentechnik-Expertengremiums der Europäischen Lebensmittelbehörde bringt keinen Richtungswechsel: Nach wie vor dominieren die Befürworter der Agrogentechnik. Nach Einschätzung von Testbiotech haben elf der 20 Mitglieder Verbindungen zur Industrie oder sind als Befürworter der Agrogentechnik einzuschätzen.

Ein Mitglied des Panels ist Gjis Kleter, der viele Jahren mit dem International Life Science Institute (ILSI) zusammenarbeitete. ILSI wird von der Industrie finanziert und hat mehrfach Einfluss auf die Prüfstandards der EFSA genommen. Huw Jones, ein weiterer Vertreter in dem Gremium, ist an der Entwicklung von gentechnisch verändertem Weizen beteiligt und kooperierte mit Konzernen wie Bayer und Dow AgroSciences. Nicht immer legen die Experten ihre Verbindungen offen: Patrick Du Jardin gehört zum Beispiel der Public Research and Regulation Initiative (PRRI) an, die als Lobbygruppe versucht, Einfluss auf Prüfstandards und die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermitteln zu nehmen. Er hat dies aber in seiner offiziellen Interessenserklärung bei der EFSA nicht angegeben. Aus Deutschland sitzen die Experten Achim Gathmann und Christoph Tebbe im Gremium der EFSA. Sie sind für eine eher unkritische Haltung gegenüber den Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen bekannt.

„Leider kann man dem Gentechnik-Expertengremium der EFSA auch nach der Neubesetzung nicht vertrauen. Es ist noch ein weiter Weg, bis die Unabhängigkeit der Behörde gewährleistet ist. Wir erwarten derzeit keinen Kurswechsel bei der Risikobewertung und Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen“ sagt Christoph Then von Testbiotech.

Die EFSA hatte jüngst auf den Druck der Öffentlichkeit reagiert und die Anforderungen an die Unabhängigkeit ihrer Experten erhöht. Die Vorsitzende des Verwaltungsrates, die eng mit dem ILSI kooperierte, musste ihren Posten räumen. Nach wie vor sind aber in den verschiedenen Gremien der EFSA auch Experten anzutreffen, die beim ILSI aktiv sind. Neben Gijs Kleter sind das zum Beispiel die deutschen Experten Roland Franz, Karl Heinz Engel und Alfonso Lampen, die gleichzeitig auch für das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin tätig sind. Die drei haben gegenüber der EFSA ihre Aktivitäten bei ILSI nicht angegeben.

Testbiotech bewertet es dagegen als positiv, dass Mella Frewen, eine der führenden Lobbyisten der Lebensmittelindustrie in der EU, nicht in den Verwaltungsrat der EFSA aufgerückt ist. Die Mitgliedsländer der EU hatten diesen Vorschlag der EU-Kommission bei ihrer Sitzung am 18. Juni zurückgewiesen.

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Dr. Christoph Then, Testbiotech, info@testbiotech.org, Tel 015154638040