Roundup-Ready-Sojabohne 40-3-2 (Monsanto)

Testbiotech-Kommentar zu Soja 40-3-2 siehe auch: http://www.testbiotech.de/en/node/688
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Die Roundup-Ready-Sojabohne GTS 40-3-2 gehört zu den ersten gentechnisch veränderten Pflanzen, die in den USA angebaut und in andere Märkte exportiert wurde. 1996 gelangte sie als erstes gentechnisch verändertes Produkt auf den europäischen Markt, das heftige politische Kontroversen auslöste. Nicht zuletzt durch eine mehrheitliche Verbraucherablehnung kommt es zur Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Produkte und zur Trennung der Märkte.

Während kennzeichnungspflichtige Lebensmittel aus gentechnisch veränderten Sojabohnen von fast allen europäischen Lebensmittelherstellern vermieden werden, landen jedes Jahr Millionen Tonnen der importierten transgenen Pflanzen in den Futtermitteln. Lebensmittel wie Eier, Fleisch oder Milch von Tieren, die gentechnisch veränderte Pflanzen gefressen haben, müssen nicht gekennzeichnet werden. Doch auch in diesem Bereich haben Hersteller damit begonnen, diese Pflanzen zu vermeiden. In mehreren EU-Ländern, darunter auch Deutschland, besteht die Möglichkeit einer freiwilligen Kennzeichnung von Produkten, die ohne Gentechnik hergestellt wurden.

Gentechnisch veränderte Sojabohnen werden für die Zerstörung der Regenwälder in Argentinien und Brasilien und für die starke Zunahme des Einsatzes von Unkrautvernichtungsmitteln in den USA und Südamerika mit verantwortlich gemacht. Mit der gemeinsamen Initiative des sogenannten Runden Tisches für verantungsvolle Soja (Round Table for Responsible Soy, RTRS),von Konzernen wie Monsanto und dem World Wide Fund For Nature (WWF) soll der Anbau dieser Sojabohnen als nachhaltig legitimiert werden. Unabhängige Beobachter kritisieren dies als unglaubwürdig.

Der massive Gebrauch von Glyphosat, der insbesondere auf die Ausbreitung herbizidresistenter Unkräuter zurückgeht, gefährdet die Gesundheit der Landbevölkerung, die Gewässerökologie, die Biodiversität und die Bodenfruchtbarkeit. Zudem kommt es zu einer Zunahme von Pflanzenkrankheiten, u.a. zu verstärktem Pilzbefall (Johal & Huber, 2009; Antoniou et al., 2010; Paganelli et al., 2010; PAN AP, 2009). Aber auch für die Verbraucher ergeben sich Risiken: Durch die Behandlung mit Glyphosat kann es in den Bohnen zu einer Mischung von gesundheitsgefährdenden Rückständen kommen. Verschiedene Experten warnen, dass die Giftigkeit von Glyphosat bisher unterschätzt wurde (Antoniou et al., 2010; Benachour et al., 2007; Paganelli et al., 2010; PAN AP, 2009; Then, 2011). In diesem Zusammenhang ist insbesondere der Zusatz von POE-Tallowaminen kritisch zu sehen, die giftiger sind als das Glyphosat selbst. 2010 haben die deutschen Behörden deswegen die Anwendung von Glyphosat-Mischungen mit einem hohen Anteil von POE-Tallowaminen verboten, um Risiken für die Verbraucher beim Verzehr tierischer Produkte zu vermeiden (Then, 2011). Auf der anderen Seite werden in Europa nur wenige Kontrollen auf Rückstände von Glyphosat-Spritzmitteln durchgeführt.

Die Gentechnikabteilung der EFSA hat sich aber dazu entschieden, diese Fragen nicht zu bewerten, sondern dies der Abteilung für Pestizide zu überlassen. Derzeit läuft ist in der EU ein Prozess zur Neubewertung des Herbizids Glyphosat. Ergebnisse werden frühestens bis 2012 erwartet (siehe EU Commission, 2002; Antoniou et al., 2011). Damit fehlt auch von Seiten der Pestizidbeurteilung eine ausreichende Bewertungsgrundlage, um die Risiken für die Verbraucher beurteilen zu können. So bestehen bei der Risikobewertung der gentechnisch verändertem Soja erhebliche Mängel sowohl in der Gentechnikabteilung der EFSA als auch bei der Pestizidbewertung.

Der Kommentar von Testbiotech zur EFSA-Stellungnahme zum Anbau von Soja 40-3-2 in der EU findet sich hier:
http://www.testbiotech.de/node/688

Anmelder: 

  • Monsanto

Pflanzenart: 

  • Soja

Eigenschaft: 

  • Herbizidtoleranz

Event: 

  • 40-3-2

Zulassung: 

  • Lebensmittel und Futtermittel

Herbizidtoleranz: 

  • Glyphosat

Gentechnische Methode: 

  • Gen-Kanone
Eingeführtes Gen: 

cp4 epsps

Antibiotikaresistenz: 
nein
Weitere wichtige Anteile des Genkonstrukts: 

Verstärkter 35S-Promotor aus dem Blumenkohl-Mosaik-Virus

Angemeldet für folgende Verwendung: 

  • Lebens- und Futtermittel
Datum der Zulassung in der EU: 
Als Futter und Lebensmittel seit 1996 zugelassen. EU-Wiederzulassung: 10.02.2012
Auswahl von Zulassungen für den Anbau weltweit: 
USA (1994)
Kanada (1995)
Argentinien (1996)
Brasilien (2005)
Bedeutung für den europäischen Markt: 

Jedes Jahr werden Millionen Tonnen gentechnisch veränderte Soja nach Europa importiert und vor allem in Futtermitteln verwendet. Die Firma Monsanto hat auch einen Antrag auf Anbau der Sojabohnen in Europa gestellt.

Spezifische Risiken und unerwartete Effekte: 
  • Die Art und Weise, wie die Gensequenzen eingefügt wurden, führt zu technischen Mängeln. Zum Beispiel wurde eine zweite, nicht funktionelle Kopie des Genkonstruktes in die Pflanzen inseriert.
  • Es wurden sogenannte ‚offene Leserahmen‘ gefunden, die zur Produktion ungewollter Genprodukte (RNA) führen (Rang et al., 2005).
  • Die Pflanzen zeigen gegenüber konventionellen Vergleichspflanzen signifikante Unterschiede im Gehalt verschiedener Inhaltsstoffe. Zum Beispiel ist der Gehalt an Lignin in den Pflanzen verändert (Zobiole et al., 2010).
  • Beim Vergleich mit konventionellen Pflanzen fielen zahlreiche Unterschiede in den agronomischen Merkmalen auf. Auch die EFSA (2010a) stellte fest, dass die Ernte beim Anbau gentechnisch veränderter Soja niedriger ausfällt als bei Vergleichspflanzen. Andere Unterschiede wurden nicht bei allen Feldversuchen beobachtet. Möglicherweise sind bestimmte Umweltbedingungen dafür verantwortlich. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass gentechnisch veränderte Pflanzen unter Stressbedingungen unerwartete Reaktionen zeigen können (siehe zum Beispiel Matthews et al., 2005; Gertz et al., 1999).
  • Es ist bekannt, dass Sojabohnen häufig allergische Reaktionen auslösen. Die neu eingefügten Gene könnten die immunologische Reaktion auf die Allergene verstärken.
  • Es ist bekannt, dass Sojabohnen hormonell wirksame Substanzen produzieren. Der Gehalt an diesen Stoffen könnte durch Wechselwirkungen mit den zusätzlich eingefügten Genkonstrukten verändert werden.
  • Die Pflanzen werden zusammen mit anderen gentechnisch veränderten Pflanzen verzehrt oder verfüttert. Es müssen Untersuchungen über mögliche kumulative oder kombinatorische Effekte durchgeführt werden.
  • Teile des Genkonstrukts wurde in Fischen und in Ziegenmilch gefunden. Wissenschaftler stellten sogar Effekte bei den Nachkommen von Ziegen fest, wenn diese mit der Milch von Ziegen gefüttert wurden, die gentechnisch veränderte Soja gefressen hatten (Tudisco et al., 2010).
  • Die Pflanzen weisen Rückstände von Glyphosat-Mischungen und deren Metaboliten auf.
Fütterungsversuche: 
  • Es wurde ein Fütterungsversuch mit den Enzymen durchgeführt, die der Pflanze die Resistenz gegen Glyphosat verleihen. Dabei wurden die Enzymen nicht aus den gentechnisch veränderten Pflanzen isoliert, sondern mit Hilfe von Bakterien produziert.
  • Verschiedene Fütterungsstudien mit den Sojabohnen wurden durchgeführt, um die Auswirkungen auf die Gesundheit zu untersuchen.
  • In weiteren Fütterungsversuchen wurde die Futterverwertung getestet.
Übersicht über Mängel der Bewertung durch die EFSA: 
  • Wechselwirkungen zwischen dem Genom und der Umwelt wurden nicht unter verschiedenen, definierten Bedingungen getestet.
  • Es wurden keine Untersuchungen bezüglich der Unterschiede bei den Inhaltsstoffen und bei den agronomischen Merkmalen durchgeführt, um herauszufinden, ob diese von bestimmten Umweltbedingungen abhängen.
    Die genetische Stabilität des Transgens wurde nicht unter verschiedenen definierten Umweltbedingungen getestet, sondern nur in Bezug auf die Vererbung auf die nächsten Generationen.
  • Die Pflanzen weisen gegenüber konventionellen Vergleichspflanzen signifikante Unterschiede im Gehalt an verschiedenen Inhaltsstoffen auf, die nicht genauer untersucht wurden. Stattdessen erklärte die EFSA sie sie unter Bezugnahme auf fragwürdige sogenannte „historische“ Daten wie die aus der Datenbank des industrienahen International Life Sciences Institute (ILSI), die nichts mit den aktuellen Feldversuchen zu tun haben, für irrelevant.
  • Einige der Fütterungsstudien wurden über einen längeren Zeitraum als die normalerweise üblichen 90 Tage durchgeführt; es gibt sogar Studien, die die nächste Generation miteinbeziehen. In einigen dieser Studien entdeckten die Wissenschaftler Effekte, die genauer untersucht werden sollten (wie zum Beispiel Malatesta et al., 2002a, 2002b, 2003, 2005, 2008). Doch die EFSA verwarf diese Ergebnisse aus methodischen Gründen.
  • Es wurde nicht untersucht, wie sich die dauerhafte Aufnahme der Pflanzen auf die Darmflora von Mensch und Tier auswirkt.
  • Es fehlen Untersuchungen bezüglich der Wechselwirkungen oder akkumulierten Wirkungen mit anderen gentechnisch veränderten Pflanzen, die ebenfalls in Lebens- und Futtermittel verwendet werden dürfen.
  • Die EFSA (2010a) bestätigt dass bisher kein Monitoring durchgeführt wurde, um mögliche gesundheitliche Auswirkungen nach der Zulassung zu untersuchen, beruft sich aber in ihren Schlussfolgerungen trotzdem darauf, dass es bisher keinen Beweis für gesundheitliche Schäden gebe: “Although no post-market monitoring for food and feed safety of soybean 40-3-2 has formally been performed, there is no evidence of any adverse effects being associated with the consumption of soybean 40-3-2 as food or feed within the European community.”
  • Die Pestizidrückstände, ihre Begleitstoffe und Metaboliten wurden nicht untersucht.
Mängel des Monitoring: 
  • Es gibt keinen Plan für die laut EU-Regelungen vorgeschriebene allgemeine Überwachung der gentechnisch veränderten Pflanzen, mit dem gegebenenfalls gesundheitliche Probleme identifiziert werden könnten, die mit der Verwendung dieser gentechnisch veränderten Pflanzen in Futter- und Lebensmitteln einhergehen.
  • Bei der Überwachung gesundheitlicher Risiken müssen Glyphosat-Rückstände mitberücksichtigt werden, die mit dem Anbau der gentechnisch veränderten Pflanzen einhergehen.
Dokumente und Publikationen: 

Antoniou, M., Brack, P., Carrasco, A., Fagan, J., Habib, M., Kageyama, P., Leifert, C., Nodari, R. O., Pengue W. (2010) GM Soy: Sustainable? Responsible?, GLS Bank & ARGE gentechnikfrei, http://www.gmwatch.eu/?option=com_content&view=article&id=12479

Antoniou, M., Habib, M., Howard, C.V., Jennings, R.C., Leifert, C., Nodari, R. Robinson, C., Fagan, J. (2011) Roundup and birth defects - Is the public being kept in the dark? Earth Open Source, June 2011

Benachour, N., Siphatur, H., Moslemi, S., Gasnier, C., Travert, C., Seralini, G. E. (2007) Time- and dose-dependent effects of Roundup on human embryonic and placental cells, Arch Environ Contam Toxicol 53: 126-33.

EFSA (2010a) EFSA Panel on Genetically Modified Organisms (GMO); Scientific Opinion of the Panel on Genetically Modified Organisms on applications (EFSA-GMO-RX-40-3-2) for the renewal of authorisation for the continued marketing of (1) food containing, consisting of, or produced from genetically modified soybean 40-3-2; (2) feed containing, consisting of, or produced from soybean 40-3-2; (3) other products containing or consisting of soybean 40-3-2 with the exception of cultivation, all under Regulation (EC) No 1829/2003 from Monsanto. EFSA Journal 2010;8(12): 1908, [1-38]. doi:10.2903/j.efsa.2010.1908. Available online: www.efsa.europa.eu/efsajournal.htm

EFSA (2010b) Comments and opinions submitted by Member States during the three-month consultation period, Annex to EFSA, 2010a, EFSA Panel on Genetically Modified Organisms (GMO); Scientific Opinion of the Panel on Genetically Modified Organisms on applications (EFSA-GMO-RX-40-3-2) for the renewal of authorisation for the continued marketing of (1) food containing, consisting of, or produced from genetically modified soybean 40-3-2; (2) feed containing, consisting of, or produced from soybean 40-3-2; (3) other products containing or consisting of soybean 40-3-2 with the exception of cultivation, all under Regulation (EC) No 1829/2003 from Monsanto. EFSA Journal 2010;8(12): 1908, [1-38]. doi:10.2903/j.efsa.2010.1908. Available online: www.efsa.europa.eu/efsajournal.htm

European Commission Peer Review Programme (2002) Glyphosate Review Report Rapporteur Member State: Germany, www.ec.europa.eu/food/plant/protection/evaluation/existactive/list1_glyp...

Gertz, J.M., Vencill, W.K., Hill, N.S. (1999) Tolerance of Transgenic Soybean (Glycine max) to Heat Stress. British Crop Protection Conference – Weeds, 15-19 Nov 1999. Brighton: 835-840.

Grube, A., Donaldson, D., Kiely, T., Wu, L. (2011) Pesticides industry sales and usage. 2006 and 2007 market estimates. EPA, Washington, D.C., www.epa.gov/opp00001/pestsales/07pestsales/market_estimates2007.pdf

Johal, G.R. and Huber, D.M (2009) Glyphosate effects on diseases of plants. European J. Agron. 31: 144-152.

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Malatesta, M., Boraldi, F., Annovi, G., Baldelli, B., Battistelli, S., Biggiogera, M., Quaglino, D. (2008) A long-term study on female mice fed on a genetically modified soybean: effects on liver ageing. Histochemistry and Cell Biology 130: 967-977.

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PAN AP, Pesticide Action Network Asian Pacific (2009) Monograph on Glyphosate, www.panap.net/en/p/post/pesticides-info-database/115

Rang, A., Linke, B., Jansen, B., 2005, Detection of RNA variants transcribed from the transgene in Roundup Ready soybean. European Food Research and Technology 220(3-4): 1438-2377.

Then, C., 2011, Vorsicht „Giftmischer“: Gentechnisch veränderte Pflanzen in Futter-und Lebensmitteln. Testbiotech-Report, http://www.testbiotech.de/sites/default/files/Testbiotech_Giftmischer_Ap...

Tudisco, R., Mastellone, V., Cutrignelli, M.I., Lombardi, P., Bovera, F., Mirabella, N., Piccolo, G., Calabro, S., Avallone, L., Infascelli, F. (2010) Fate of transgenic DNA and evaluation of metabolic effects in goats fed genetically modified soybean and in their offspring, Animal Science 82: 193–199.

Zobiole, L.H., S., Bonini, E.A., Oliviera, R.S., Kremer, R.J., Ferrarese-Filho, O. (2010) Glyphosate affects lignin content and amino acid production in glyphosate-resistant soybean, Acta Physiol Plant, 32: 831–837.

Status der Zulassung: 
EU-Zulassung erteilt
Zulassungsdatum: 
April 1996
Aktualisiert am: 
8. April 2016