Neue Gentechnik und unbeabsichtigte genetische Veränderungen: EFSA ‚übersieht’ die meisten Forschungsergebnisse

Die Lebensmittelbehörde hatte kein Mandat, um die relevanten Publikationen systematisch zu sammeln und zu analysieren

12. Dezember 2022

12. Dezember 2022 / Heute nimmt Testbiotech an einer Podiumsdiskussion der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA teil, bei der es um neue Kriterien für die Risikoprüfung von Pflanzen aus Neuer Gentechnik (NGT) geht. In einem jüngst veröffentlichten Dokument erweckt die EFSA den Eindruck, dass (in den meisten Fällen) die unbeabsichtigten genetischen Veränderungen, die durch die NGT-Verfahren verursacht werden, nicht berücksichtigt werden müssten. Die EFSA scheint anzunehmen, dass damit zusammenhängende Risiken nicht von denen unterschieden werden können, die aus konventioneller Züchtung resultieren. Im Ergebnis würden die Vorschläge der EFSA zu einer weitgehenden Absenkung der derzeitigen Standards für die Risikoprüfung führen.

Diese falschen Annahmen der EFSA sind ganz wesentlich durch unzureichende Daten bedingt: In Zusammenhang mit ihren früheren Berichten hatte die Behörde mehrfach darauf hingewiesen, dass sie kein Mandat habe, alle relevanten wissenschaftlichen Publikation zu bewerten. Nun sieht es danach aus, dass die EFSA tatsächlich die meisten relevanten Publikationen ‚übersehen‘ hat.

Tatsächlich zeigen viele Veröffentlichungen, dass die mehrstufigen Verfahren der Neuen Gentechnik mit beabsichtigten und unbeabsichtigten genetischen Veränderungen einhergehen, die sich von denen unterscheiden können, die aus konventioneller Züchtung resultieren. Das trifft insbesondere für Organismen zu, die mit Hilfe der ‚Gen-Schere‘ CRISPR/Cas in ihrem Erbgut verändert wurden. Diese Unterschiede zwischen konventioneller Züchtung und Neuer Gentechnik können leicht übersehen werden, aber schwerwiegende Konsequenzen haben: auch gefährliche genetische Veränderungen können sich so rasch in großen Populationen ausbreiten.

Unbeabsichtigte genetische Veränderungen, die durch die NGT-Verfahren verursacht werden und sich von denen unterschieden, die aus konventioneller Züchtung resultieren, sind für die Risikobewertung von Organismen aus Neuer Gentechnik sehr relevant. Der Grund: Diese genetischen Varianten können mit Risiken einhergehen, die über das hinausgehen, was bisher im Rahmen der konventionellen Zucht beobachtet wurde.

Wie in einem heute veröffentlichten Hintergrundbericht gezeigt wird, hat die EFSA tatsächlich nur rund 20 Prozent der relevanten wissenschaftlichen Publikationen berücksichtigt, die Testbiotech im Rahmen öffentlicher Konsultationen eingereicht hatte. In ähnlicher Weise wurden auch Publikationen, die von ExpertInnen der EU-Mitgliedsländer vorgelegt wurden, nicht berücksichtigt. In den Fällen, in denen einzelne Veröffentlichungen doch von der EFSA aufgenommen wurden, wurden diese in keinem Fall dazu herangezogen, um unbeabsichtigte genetische Veränderungen, die durch die Verfahren der Neuen Gentechnik verursacht wurden, systematisch zu bewerten.

In der Folge sind die von der EFSA vorgeschlagenen Kriterien zur Risikobewertung von Pflanzen aus Neuer Gentechnik nicht ausreichend wissenschaftlich begründet. Deswegen verlangt Testbiotech, dass die EFSA ihren aktuellen Vorschlag für die Risikobewertung von Pflanzen aus Neuer Gentechnik zurückzieht.

Kontakt:
Christoph Then, Tel 0151 54638040, info@testbiotech.org

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